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Finanzen: Bei der Vorsorge auf die Bedürfnisse hören


Spekulative Finanzprodukte standen nach der Krise am Pranger. Der Bausparvertrag erfuhr eine Renaissance. Auch der Wohnriester ist in aller Munde. Doch ob und wie das Sparen auf ein Eigenheim sinnvoll ist, hängt von individuellen Faktoren ab, sagt Immobilien-Experte Markus Frings von der Volksbank Marl-Recklinghausen im Interview.

von Tobias Patzkowsky am 29.10.2010

[caption id="attachment_1209" align="aligncenter" width="450" caption="Wann ein Wohnriester Sinn macht, erklärt Markus Frings von der Volksbank Marl-Recklinghausen."][/caption]

Ab wann lohnt es sich überhaupt, auf ein Eigenheim zu sparen?
Markus Frings:
Wie bei allen anderen Anlageformen gilt natürlich auch beim Thema Bauen: je früher, desto besser. Wer mit 25 Jahren zum Beispiel eine Eigentumswohnung kaufen will, sollte mit 16 beginnen zu sparen. Besonders in jungen Jahren sollte man sich aber gut überlegen, ob man schon auf ein Eigenheim sparen will. Damit büßt man an Flexibilität ein. Tendenziell fangen die Leute im Vest auch erst mit 30 bis 35 an, auf das eigene Haus zu sparen. Im städtischen Bereich verschiebt sich der Wunsch nach einem Eigenheim im Vergleich zum ländlichen Raum eher nach hinten.




[caption id="attachment_1979" align="alignleft" width="81" caption="Markus Frings"][/caption]

Was schlagen Sie ansonsten vor?
Generell sollte man mit 20 bis 25 Jahren in kleinen Schritten etwas anlegen. Dabei sollte man konzeptionell vorgehen, eine Bilanz über das verfügbare Einkommen ziehen und seine Anlage abhängig von einem zukünftigen Wunsch machen. Wie gesagt: Hier muss man nicht direkt auf ein Haus sparen. Man sollte seine Spareinlagen eher verteilen - hier ein bisschen Bausparen, da eine fondsgebundene Rentenversicherung, hier eine Lebensversicherung, da ein Sparkonto. Das kommt einem auch später zu Gute. Wenn man irgendwann doch ein Haus bauen will, braucht man auch liquide Mittel, um die laufenden Kosten bezahlen zu können.

Man stelle sich vor: Ein Leben lang hat man in einen Bausparvertrag eingezahlt. Doch plötzlich platzt der Wunsch nach dem Eigenheim und man will das Geld anderweitig verwenden. Was tun?
Das ist wahrhaftig ein Dilemma. Bausparverträge werden ja gerade deswegen abgeschlossen, weil man am Ende beim Hausbau lukrative staatliche Prämien einheimsen will. Die sind aber immer zweckgebunden. Der Bausparer bekommt bis zu 10.000 Euro zu wohnwirtschaftlichen Verwendung ohne weitere Sicherheiten - evtl auch in der Mietwohnung. Das ist aber eher ein schwacher Trost. Deswegen: besser vorher über seine zukünftigen Wünsche nachdenken und seine Anlage darauf abstimmen.

Wie sieht es denn mit dem Wohnriester aus? Wäre er eine Alternative?
Dazu muss man wissen: Wer riestert, erhält einen staatlichen Zuschuss. Den bekommt man bei nahezu allen Anlageformen - in voller Höhe allerdings nur, wenn man mindestens vier Prozent des Vorjahresbruttogehalts spart. Von der Systematik her bleibt der Bausparvertrag daher unberührt. Will man plötzlich kein Haus mehr bauen, stellt sich die gleiche Problematik wie beim einfachen Bausparvertrag. Das Gute an der Riesterförderung ist aber, dass man sie auf mehrere Anlageformen verteilen kann. Wenn ich eine Lebensversicherung habe, tut also ein Bausparvertrag auch nicht weh. Der Anreiz, einen Wohnriester abzuschließen, wurde aber vor Kurzem erhöht. Anstatt wie früher 185 Euro erhält man zusätzlich zur Grundförderung jetzt 300 Euro jährlich pro neugeborenem Kind.

Mit Markus Frings sprach Tobias Patzkowsky.

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