
In der dunklen Jahreszeit ist die Versorgung mit ausreichend Nährstoffen und Vitaminen besonders wichtig. Ob Grünkohl, Porree, Pastinaken, Chicorée oder Feldsalat: Sie alle haben viel davon und werden noch bis in den Winter hinein hierzulande geerntet. Sie stehen den aus fernen Ländern importierten Gemüsesorten in nichts nach. Heimisches Wintergemüse ist im Anbau recht unkompliziert und bereichert jeden Hobbygarten.
Denkt man an Gemüse im Winter, so darf der Grünkohl nicht fehlen. Aber: „Es ist ein Märchen, dass Grünkohl unbedingt einen Frost braucht, bevor er richtig gut schmeckt“, sagt Martin Krumbein, Fachbereichsleiter für Gemüsebau von der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt. Richtig sei jedoch, dass er einige Tage mit sehr niedrigen Temperaturen benötigt, damit sich Stärke in Zucker umzubauen beginnt. Sein Geschmack werde dann immer milder und der Kohl somit bekömmlicher.
"Hungriger" Grünkohl
Auf dem Markt oder im Handel kann man abgehärtete Herbst- und Wintersorten als Jungpflanzen kaufen, die im Juni ausgepflanzt werden. „Das ist viel leichter, als den Grünkohl selbst auszusäen“, betont Krumbein. Die Jungpflanzen seien meist kräftiger, abgehärteter und einheitlicher.
Die kleinlaubigen Wintersorten können bis zum Verzehr auf dem Beet stehen bleiben. Sie sind bis minus 15 Grad Celsius frosthart, gegebenenfalls ist jedoch ein Schutz nötig. „Grünkohl ist ein Starkzehrer - er braucht viel Wasser und Nährstoffe“, erläutert Krumbein. Deshalb empfiehlt er, der Pflanze in der Wachstumsphase eine Nährstoffgabe zu geben.

Feldsalat wächst von allen Salatsorten am weitesten in den Winter hinein. Sein hoher Gehalt an Vitamin C macht ihn für die dunkle Jahreszeit besonders wertvoll. Aber auch Beta-Carotin, Vitamin B6, Folsäure, Eisen und Kalium sind in den kleinen schmackhaften Blättern enthalten. „In günstigen Lagen kann er bis zum 15. September gesät werden“, erklärt Mechtild Ahlers, Fachberaterin der Niedersächsischen Gartenakademie in Bad Zwischenahn. Die Sorte 'Vit' hat sich als sehr widerstandsfähig gegen Frost bewährt. Wichtig für eine gute Ernte ist eine windgeschützte Lage.
Frostschutz für Porree
Porree kann je nach Witterung und Standort bis in den März hinein geerntet werden. Mechtild Ahlers empfiehlt die Sorte 'Blaugrüner Eskimo'. Er hat eine gute Frosthärte und bildet lange, weiße Schäfte, wenn er als Jungpflanze in eine 15 Zentimeter tiefe Furche gepflanzt wird. Porree benötigt während der gesamten Kulturzeit ein Gemüsefliegennetz.
Auch Winter-Endivie, Zuckerhutsalat, Radicchio und Römischer Salat bieten viele wichtige Nährstoffe und Vitamine. Sie können bis zum 15. Juli als Jungpflanzen gesetzt werden. Die Entwicklungszeit beträgt etwa zwölf Wochen. „Mitte Oktober ist der Reifeprozess abgeschlossen. Danach können die Blattgemüse aber noch bis zum Verzehr auf dem Beet stehen bleiben“, erklärt Ahlers. Unerlässlich dafür sei jedoch ein ausreichender Frostschutz.
Dazu steckt man Reiser dicht an dicht um das Beet herum und lässt sie etwa 20 Zentimeter hoch aufragen. Ein darüber gespanntes Vlies bietet Schutz vor Kälte und Wind, aber auch vor matschigen Blättern, die an den Blattsalaten zu Fäulnis führen können. Auch ein Wander-Frühbeetkasten oder ein Folientunnel schützen laut Ahlers vor Frost.
Richtig lagern
Geerntetes Wintergemüse wie Kohl wird in dunklen, kühlen und feuchten Räumen gelagert. Krumbein erklärt: „In den Kühllagern der Profibetriebe herrscht eine Temperatur um die plus 1 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 95 Prozent.“ Ein Keller sei demnach zwar nicht ideal, biete aber meist hinreichend gute Bedingungen.
Oder man nutzt einfach den Kühlschrank im Freien: das Winterwetter. So rät Ahlers, Möhren, Pastinaken und Rote Beete in einem großen Gefäß im Garten zu lagern. Dieses werde komplett in den Boden versenkt und mit Brettern und Laub abgedeckt. Auf einer rund fünf Zentimeter dicken Sandschicht lagere das Gemüse dort unter besten Bedingungen und bleibe lange schmackhaft und frisch. Außerdem sei es in der Grube gegen Wühlmäuse und andere natürlich Feinde geschützt.
Krumbein hat einen Tipp für alle parat, die auch bei dicken Minusgraden nicht auf frisches Gemüse verzichten wollen: „Chicorée lässt sich in einer etwa 50 Zentimeter hohen geschlossenen Holz- oder Plastikkiste auch im Haus kultivieren.“ Im Mai sät man die Samen im Freiland aus und erntet zwischen Ende August und Oktober die Wurzeln, die daraus entstehen.
Die Kiste wird halb mit Sand gefüllt und gut gewässert. Die Wurzeln des Chicorée sollten bis knapp unter den Blattansatz in den Sand gesteckt und schließlich mit einer dicken Schicht aus Sägespänen bedeckt werden. Die Kiste wird dann mit einem Deckel oder einer dunklen Folie abgedeckt. Je nach Raumtemperatur bilden sich innerhalb von vier bis sechs Wochen die beliebten gelb-weißen Blätter des Chicorée. „Nur wenn Licht in die Kiste fällt, wird der Chicorée grün - was bedeutet, dass er auch bitter schmeckt“, sagt Krumbein.