Vestimmo: Herr Kluwe, wie groß ist die Gefahr, die von Blitz und Donner wirklich ausgeht?
T. Kluwe: Die wird heute immer größer. Es gibt in Deutschland ohnehin schon mehr als zwei Millionen Blitzeinschläge im Jahr, über 25 Prozent der Versicherungsschäden entstehen durch Blitzschäden und Überspannung. Dazu kommen die aktuellen Wetterbedingungen, durch den Klimawandel kommt es auch im Sommer immer häufiger zu Gewitterstürmen, die in stark bebauten Gebieten wie dem Kreis Recklinghausen schnell zu großen Schäden führen können. Wenn man dann noch die ganze Palette an Elektrogeräten zu Hause hat, kann natürlich umso mehr passieren.
Kommt es denn wirklich so schnell zum Blitzeinschlag?
Der Blitz muss gar nicht direkt in einem Gebäude oder einem Telefonmasten einschlagen, um großen Schaden anzurichten, wie viele denken. Es reicht schon, wenn er das Erdreich trifft. Der Spannungstrichter, der dann im Boden entsteht, kann sich noch in eineinhalb Kilometer Entfernung auswirken – und damit auch in allen Haushalten im Umkreis. Ein direkter Einschlag ins Haus kommt natürlich seltener vor, die Überspannungsschäden sind aber die gleichen, wenn der Blitz das nahe Erdreich trifft.
Das heißt also, kein Privathaushalt kommt um einen Schutz herum?
Eigentlich nicht. Natürlich sind Überspannungsableiter, die direkt in die Hauselektronik eingebaut werden, umso wichtiger, je größer das Wohn- oder Geschäftsgebäude ist und je mehr teure elektronische Geräte dort angeschlossen sind. Doch kann heute kein privater Hauseigentümer mehr den Blitzschutz vernachlässigen – nur so sichert er Stromversorgung, Computer, Fernseher und Co. Die einfachste Variante ist natürlich, alle elektrischen Geräte bei Gewitter vom Strom zu nehmen. Wer jedoch auch telefonieren oder surfen will, wenn es draußen mal lauter wird, muss eventuell im Haus nachrüsten. Das komplette Paket für den Überspannungsschutz ist in drei Gruppen aufgeteilt – vielleicht braucht nicht jeder immer alle Komponenten. Ganz sicher ist man jedoch nur mit der Kombination.
Welche Komponenten und Möglichkeiten gibt es?
Der Grobschutz wird direkt vor den Zähler eingebaut, die erste Station, an der Überspannung auftritt. Er reduziert die Höhe der Spannung schon um etwa ein Drittel, die weiteren Komponenten schließen daran an. Der Mittelschutz kommt in die Stromkraftverteiler (Unterverteilung) der einzelnen Wohnungen. Der Feinschutz schließlich ist das, was viele für allein schon ausreichend halten – der Steckadapter vor dem Endgerät, etwa dem Computer. Allein genügen solche Einrichtungen jedoch auf keinen Fall.
Was kostet die Nachrüstung im Haus, und lohnt sie sich wirklich?
Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten für Geräte und Einbau im Schnitt bei 400 bis 500 Euro, für einen Gewerbekomplex natürlich deutlich höher, für besondere Einrichtungen wie Solaranlagen braucht man auch einen speziellen Schutz. Rüstet man nicht nach, gibt es im schlimmsten Fall ein Feuer am Haus, die gesamte Elektronik fällt aus, Geräte und Leitungen sind dauerhaft beschädigt, Datensätze vom PC vernichtet, der Schaden geht in die Tausende. Hier sollte man dringend darauf achten, ob die Versicherung ihn abdeckt.
Natürlich kann man Überspannungsschäden nie komplett ausschließen, ein Gewitter ist schließlich nicht berechenbar. Aber man kann die Überspannung selbst immerhin deutlich reduzieren, so dass nicht mehr als etwa 250 Volt auf die Endgeräte treffen – das halten sie gut aus. Alle Elektrofachbetriebe der Innung im Kreis Recklinghausen können die Nachrüstung des Hauses vornehmen. Leider besteht meiner Erfahrung nach in unserer Region noch viel Nachholbedarf bei der geeigneten Ausstattung. Doch man sollte handeln, bevor etwas passiert.
Wie steht es mit der Versicherung, wenn es zum Ernstfall kommt?
Zwei Arten von Schäden können durch Blitzschlag entstehen: Schäden am Haus und im Haus, Überspannung an elektrischen Geräten wie PC, DVD-Player oder Telefon. Natürlich kann man sich dagegen versichern.
Die Wohngebäudeversicherung schützt das Gebäude vor Feuer-, Sturm-, Hagel- und Leitungswasserschäden. Hier ist auch der Schutz vor Blitzschlag inbegriffen. Während die Wohngebäudeversicherung das Haus schützt, springt die Hausratversicherung bei Schäden der Einrichtung ein. In neuen Versicherungen sind normalerweise auch Überspannungsschäden enthalten. Das Kleingedruckte sollte man also genau lesen! Sollte eine entsprechende Klausel fehlen, lohnt es sich, beim Versicherer nachzufragen. Die eventuellen Mehrausgaben für Überspannungsschäden werden nur wenige Euro betragen und lohnen sich auf jeden Fall.
Empfehlenswert ist eine Hausratsversicherung, die Schäden bis mindestens 10 000 Euro deckt. Im Einzelfall, bei besonders teuren elektrischen Geräten, lohne sich aber durchaus auch eine höhere Deckungssumme.