
Warm – das ist der erste Eindruck, den man im Haus von Familie Köster bekommt, und zwar im echten wie auch im übertragenen Sinne. Helle Holzfußböden, freundliche Wandfarben, dezente, aber effektive Lichtakzente. Dickes Mauerwerk, das die Kälte draußen hält – und die Wärme der modernen Fernwärme-Heizanlage drinnen. Ein Übriges tut der Kamin, der den Mittelpunkt des offen gestalteten Wohn- und Essbereichs bildet.
Marion und Klaus Köster haben ein Dattelner Stadthaus aus dem Jahr 1908 zu einem urgemütlichen Eigenheim umgestaltet. Ein Projekt, das sich manchmal tatsächlich anfühlte wie ein Jahrhundertwerk: „Es gab viel zu tun“, umschreibt das Ehepaar gute acht Monate der Knochenarbeit.
Ehemaliger Kinderhort
1998 war es, als die beiden Jungverheirateten auf eine Ausschreibung aufmerksam wurden: Ein Haus aus städtischem Besitz sollte versteigert werden. Hundert Jahre auf dem Buckel und in der Münsterstraße gelegen. „Wir wussten erst gar nicht, wo die Nummer 19 eigentlich ist und haben einfach mal einen Spaziergang dorthin gemacht“, erinnert sich Klaus Köster. „Als wir es dann sahen, dachten wir uns: Das ist aber ein schickes Ding!“ Zu einem „akzeptablen Kurs“ erhielt das Paar den Zuschlag für die Immobilie – die, wie die Kösters später erfuhren, lange Zeit als Kinderhort genutzt worden und in den letzten 30 Jahren das Zuhause der Friedhofsverwalterin gewesen war. „Das Haus war beim Kauf noch in zwei Wohnbereiche aufgeteilt“, erzählt der Eigentümer, „mit einer Gas-Einzelheizanlage im Obergeschoss.“ Damit stand die erste große Baustelle fest: die Heizung.

„Wir haben sämtliche Versorgungsschächte und Leitungen neu verlegt, denn auch das Stromnetz war in einem katastrophalen Zustand“, berichtet Klaus Köster. Für den Kamin, den die frischgebackenen Hausbesitzer auf jeden Fall haben wollten, mussten zwei Schächte zusammengelegt und von unten bis oben alles neu aufgemauert werden. Geöffnet wurden dagegen die Wände zwischen Wohn- und Essbereich.
Treppe brauchte vier Monate
Eine weitere Herausforderung stellten Böden und Treppe dar. Lediglich im Esszimmer konnten die Weichholzbohlen gerettet werden – „in den übrigen Räumen konnte man problemlos einen Schraubenzieher durch die Bretter ziehen, so morsch war das alles“, erinnert sich Marion Köster. Also hielt ein neuer, farblich passender Holzfußboden in den Wohnräumen Einzug.
Ähnlich schlecht war es um die Treppe bestellt. „Da waren wir satte vier Monate dran“, so Klaus Köster, „um sage und schreibe fünf Farbschichten zu entfernen.“ Eine kleine Überraschung erlebten die Dattelner und ihre Helfer schließlich, als sie am Treppenfuß ein schmuckes Blumenornament freilegten: „Das war vollkommen mit Farbe zugepappt gewesen.“

Der Badezimmerboden im ersten Stock schließlich verblüffte durch seine Elastizität: „Beim Drüberlaufen konnte man richtig mitwippen“, erinnert sich der Eigentümer. Um hier nachzubessern, mussten die Kösters die Decke des darunterliegenden Esszimmers öffnen – und erst einmal „mehr als einen Container Dämmasche entfernen“. Eine zweite Balkenlage sowie eine massive Dämmschicht mit abschließender Entkopplungsplatte gaben dem Boden im ersten Stock anschließend die nötige Stabilität. Eine gute Ausgangsbasis, um später ein echtes Traumbad einzurichten.
Kälte, Zugluft, Feuchtigkeit: Fehlanzeige
Eine gefürchtete Schwachstelle blieb den Kösters glücklicherweise erspart: das Dach. Hier hatte man bereits ein paar Jahre zuvor alles komplett erneuert. Was die Dämmung der Außenwände angeht, so bestand nur bei der Gebäuderückseite Handlungsbedarf: „Diese haben wir damals direkt saniert.“ Neue Holzfenster hielten ebenfalls Einzug. „Kälte, Zugluft oder Feuchtigkeit sind hier absolut kein Thema“, bestätigt Marion Köster.

Zum Sorgenkind entwickelte sich dagegen der Keller. „Der war klatschnass, als wir hier anfingen“, so Klaus Köster. „Wir haben also erst einmal eine Drainage rund ums Haus gelegt – und außerdem sechs Sickerschächte entfernt. Bunkerharte Dinger – keine Ahnung, was die damals verwendet haben!“ Seitdem trockne der Kellerbereich allmählich ab, als Lagerraum – „außer für Werkzeuge“ – eigne er sich allerdings bis heute nicht.
Echtes Wohlgefühl ist dafür heute im Garten angesagt. Hier stand früher lediglich eine Garage, erreichbar über einen schäbigen Schotterweg. Inzwischen hat vor allem Marion Köster den Bereich hinter und neben dem Haus in ein kleines grünes Paradies verwandelt – und die Garage kurzerhand zum Geräteschuppen umfunktioniert. Die überdachte Terrasse – ebenfalls neu angelegt – ist vom Wohnzimmer aus durch eine Ziehharmonikatür erreichbar.
Versicherungsbüro im Dachgeschoss
Keine Frage: Die Kösters haben aus ihrem inzwischen „Hundertvierjährigen“ das Beste rausgeholt. Es macht Spaß, hier zu wohnen – und zu arbeiten: Im Dachgeschoss hat Klaus Köster sein Versicherungsbüro eingerichtet. Auch die zehnjährige Tochter Marie fühlt sich pudelwohl in ihrem großen Zimmer im ersten Stock – mit eigenem Zugang zum Bad.

Ende 2011 erfüllte sich Ehefrau Marion noch einen Herzenswunsch: eine nagelneue Einrichtung für die Wohnküche. „Hier hat unser Küchenbauer wirklich eine Top-Arbeit abgeliefert“, freut sich die Dattelnerin, „denn unsere Wände sind teilweise alles andere als gerade.“
Großer Dank gilt natürlich auch dem „tollen Helferteam“ aus Freunden und Bekannten, die von Anfang an stets tatkräftig mit anpackten – und auch bei den immer wieder mal anfallenden kleineren Verschönerungsmaßnahmen stets zur Stelle sind.
Eine Frage an die Hausbesitzer können wir uns zum Schluss dennoch nicht verkneifen: Würden sie es noch einmal machen? Marion und Klaus Köster sehen sich einen Moment lang an, schmunzeln – und erklären einhellig: „Nein!“
Okay – angesichts dieses gemütlichen Zuhauses fragen wir
uns wiederum: Warum sollten sie?
Das Haus der Kösters - vorher und nachher: Hier geht's zur Galerie