„Ein Rundgang um das eigene Haus lohnt in jedem Jahr“, sagt Johannes Send vom Recklinhäuser Architekturbüro Send. Der Sachverständige muss es wissen, kümmert er sich doch regelmäßig um Modernisierung und Sanierungen von Wohngebäuden. Dazu bedürfe es im Normalfall aber nicht einmal eines Fachmanns. „Hauseigner haben eigentlich immer ein ganz gutes Händchen dafür, was an ihrem Gebäude defekt ist und was nicht.“ Im Fall eines wirklichen Schadens empfiehlt er aber dennoch, einen Fachmann zu konsultieren. Gerade jetzt besteht die Gelegenheit, Schäden am Haus auszubessern, damit der einsetzende Frost nicht noch größere Schäden verursacht.
Das Dach sichern:
In Dachrinnen kann sich so mancher Biostau sammeln. Die Gefahren dabei sind nicht zu unterschätzen. Denn landen Wasser aus Regen oder abgetautem Schnee in der ungereinigten Rinne, legen sich die zumeist zu verdichteten Klumpen gewachsenen Überreste aus Fallobst, Moos, Zweigen und Blättern in den Weg und behindern damit den reibungslosen Abfluss. Damit diese Reste erst gar nicht in die Rinnen oder Abflüsse gelangen, sollten Hauseigentümer einen Tipp befolgen: an den Stellen, an denen viele natürliche Überreste in die Rinnen gelangen, Gitter anlegen, damit sie erst gar nicht in die Abflussbahnen gelangen. Sollten natürliche Abfälle den freien Wasserlauf dennoch behindern, sucht sich das Wasser naturgemäß andere Wege. Das kann dann auch Schäden am Dach oder an der Fassade verursachen.
Nach den heftigen Frühjahrs- und Sommergewittern tritt in diesem Jahr noch ein weiteres Problem vor dem herannahenden Winter in den Fokus: Dachziegel wurden teilweise abgedeckt. Flachdächer weisen andere schadhafte Stellen auf. Oft nämlich sorgen Stürme in der warmen Jahreszeit für kleine Öffnungen auf den Dächern, die im Sommer unentdeckt bleiben, weil sie in der warmen Klimaperiode keine Auswirkungen auf das Haus haben. Das ändert sich im Winter aber schnell. Wenn der Frost aber schon da ist, wäre eine Ausbesserung schon zu spät. Das kann sich auch auf die Dämmkraft eines Daches auswirken. Fehlende Dachziegel müssen daher dringend ersetzt oder schiefliegende begradigt werden. Sonst setzt sich an den beschädigten Stellen der Frost ab und zerstört im Zweifelsfall noch mehr.
Bei Flachdächern sollten Hauseigentümer dagegen auf Pfützen, Blasen oder Risse in der Dachpappe achten. Sollten die Schäden nicht ausgebessert werden, könnte die gefrierende Flüssigkeit noch mehr zerstören.
Wintermantel für das Haus:
Überall, wo im Winter Wasser in die Fassade eindringen kann, kommt es am Ende zu bösen Überraschungen. Zum einen platzt der Putz wie der Asphalt auf der Straße ab, wenn das Wasser unter der Gebäudehülle gefriert. Zum anderen werden Dämmstoffe unter der Oberfläche feucht. Diese könnten dann anschwellen oder ihre Dämmkraft nimmt rapide ab. Vor allem die Übergänge von Außenwand zu den Fenstern seien dabei zu überprüfen. Bei Fassaden mit Holz oder Schiefer sollten lose oder schiefe Platten dagegen korrigiert oder direkt erneuert werden. Und ein Anstrich der Fassade könne notwendig sein, falls Witterungseinflüsse sie ausgebleicht haben und Risse oder Abblätterungen den Schutz gegen Regen und Frost beeinträchtigen. „Das sollte aber auch ein Fachmann machen“, sagt Diplom-Ingenieur Jörg Friemel von Intrakon in Recklinghausen, „denn die Fassade an den Stellen zu glätten gelingt den wenigsten Laien.“ Bei dem heute gängigen Scheibenputz, der nicht mehr als drei Millimeter dick ist, könne ein Maler die betroffenen Stellen ausbessern. Bei mehr als drei Millimeter Putz müsse dagegen ein Stuckateur kommen. Bei Klinker verhält sich die Frostproblematik übrigens anders: „Der Klinker wird ohnehin das ganze Jahr über planmäßig durchfeuchtet“, so Friemel.
Die Zuwege:
Nach Einschätzung von Johannes Send lohnt sich am Haus vor allem ein Blick auf die Zuwege. „Vor allem die Treppeneingänge sollten dabei in Ordnung gebracht werden.“ Heißt: Verrutschte oder gebrochene Gewegsplatten sollten wieder richtig angeordnet oder ganz auswechselt werden. Wenn der Frost einsetzt, könnte es sonst zu gefährlichen Rutschpartien kommen. Auch ansonsten sollten Stolperfallen aus dem Weg geschafft werden. Die dunkle Jahreszeit trägt ihren Namen nicht von ungefähr. Dagegen gibt es aber auch Lösungen: Eine gute Beleuchtung des Eingangs und der Wege rund ums Haus ist im Herbst und Winter wichtig. Denn dort drohe besondere Rutschgefahr. Ganz wichtig ist daher, alle häufig genutzten Wege ausreichend auszuleuchten. Viele Stürze ereignen sich am Haus, weil Wege oder Treppen rutschig sind. Das liegt auch daran, dass nasses Laub nicht weggefegt wird.
Versicherungen rund ums Haus:
Besitzer von Mehrfamilienhäusern bzw. Häusern mit vermieteter Einliegerwohnung benötigen eine spezielle Haus- und Grundstückshaftpflichtversicherung. Abgesichert sind damit zum Beispiel Schäden, die durch nicht geräumten Schnee oder Laub entstanden sind. „Daher am besten Rücksprache mit der Versicherungsgesellschaft halten, ob solche Schäden versichert sind“, rät Dirk Hilbrich, Versicherungsexperte bei der Volksbank Marl Recklinghausen. Besitzer von Einfamilienhäusern sollten überprüfen, ob Elementarschäden, das sind Schäden aus Sturm oder Überschwemmung, in der Gebäude- und Hausratsversicherung eingeschlossen sind. Der Abbruch eines morschen Astes, der auf ein Haus fällt, ist nicht automatisch ein Fall für die Gebäudeversicherung. Diese entschädigt solche Schäden nur, wenn sie durch die tatsächlich versicherten Gefahren wie Feuer oder Sturm entstanden sind. Sollten Bäume nicht, oder nicht ausreichend gesichert sein und diese Umstürzen beziehungsweise Teile davon herunter fallen – weil sie zum Beispiel morsch sind – muss der Eigentümer den Schaden selbst tragen!
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