Der Herbstputz:
Sie prägen derzeit das Bild in vielen Gärten: Männer und Frauen, die fleißig Laub zusammenkehren und die Pflanzen zurückschneiden. Sie sprechen dabei vom „Herbstputz“ oder dem großen „Herbstaufräumen“. Doch ist das für den Garten eigentlich nicht gut, sagt Jens Gorschlüter vom Marler Unternehmen „Jego – die Ausseneinrichter“. „Durch den Herbstputz werden viele Schutzmechanismen der Natur ausgehebelt.“ So ist Laub beispielsweise ein guter Frostschutz. Kleinere Blätter wie die der Birke können auf den Beeten liegen bleiben, bis zum Frühjahr ist davon nichts mehr zu sehen. Anders sieht es nur bei größeren Blättern aus. „Die brauchen durch ihren hohen Anteil an Gerbsäure teilweise bis zu drei Jahre zum Verrotten“, sagt Gorschlüter. Die Blätter von Eiche, Kastanie oder auch Platane sollten deshalb eingesammelt werden.

Kopfschütteln kann Garten-Fachmann Jens Gorschlüter auch nur über den Rückschnitt von Staudenpflanzen wie beispielsweise Sonnenhut, Salbei, Funkie, Astilbe und Rittersporn. „Im Wald rennt ja auch keiner rum, der das Laub einsammelt und die Stauden schneidet. Abgestorbene Pflanzenteile haben im Winter sogar einen ganz besonderen Charme. Ich finde es immer toll, wenn sie mit Schnee oder Raureif bedeckt sind. Plötzlich wirken sie auf ihre ganz eigene Art lebendig und bilden auch im Winter eine Struktur.“
Gehölze wie Laub- und Nadelbäume, Stammbüsche, Sträucher und Hecken können zwar geschnitten werden, aber auch hier ist weniger mehr. Denn man weiß ja nie, wie kalt der Winter wird. Gorschlüter: „Bei zu kurzem Schnitt kann es zu Erfrierungen am alten Holz kommen. Den Hauptschnitt sollte man deshalb im Frühjahr in Angriff nehmen, wenn die Fröste vorrüber sind und die ersten Triebe wieder kommen.“
Auch die Beete sollten erst im Frühjahr aufgeräumt werden, rät der Marler Gartenarchitekt. „Wenn man jetzt plötzlich das halbe Beet abräumt, dann kann das Auswirkungen auf die Vitalität der Pflanzen haben. Wichtig ist es auch, abgestorbene Pflanzen zu ersetzen und Lücken zu schließen. Denn Pflanzen leben in Gemeinschaften. Wenn sie nicht in der richtigen Dichte stehen, dann verkümmern sie. Pflanzen merken das, es sind ja auch Lebewesen.“
Tiere:
Ein weiterer Grund, auf einen übertriebenen Herbstputz zu verzichten, sind die tierischen Mitbewohner. Ihnen nimmt man dadurch viele Schutzmöglichkeiten, von denen es eigentlich nicht genug geben kann. Igel fühlen sich beispielsweise in einem üppigen Laubhaufen richtig wohl. „Wer seinen Garten mit vielen heimischen Gehölzen und Beerensträuchern bepflanzt, hat auch schon viel für die hier noch verbliebenen Vögel getan.“
Kompost:
Jetzt ist die richtige Zeit, um den reifen Kompost auszubringen. „Wer im Frühjahr organisch düngen will, der sollte schon jetzt den Kompost verteilen. Denn es braucht vier bis fünf Monate, bis alle Nährstoffe aufgeschlüsselt sind. Wenn ich also erst im März dünge, dann haben die Pflanzen nicht viel davon, weil die Nährstoffe noch nicht verfügbar sind.“
Rasen:
Der Rasen sollte jetzt auf die Hälfte des üblichen Sommerschnitts gestutzt werden. Auch das dient dem Schutz. Umso besser kommt er durch den Winter. Laub und verrottende Früchte sollte man vom Rasen entfernen, denn sonst gibt es unschöne Verfärbungen.
Pflanzenschutz:
Topfpflanzen sollten nicht direkt auf dem Boden stehen, was durch einen Topf mit Füßen oder kleinen Holz- und Styroporklötzchen erreicht werden kann. Alle nicht frostharten Pflanzen wie Orleander, Kamelie und Olive sollten hell, kühl und trocken untergebracht werden, also im unbeheizten. Wintergarten oder im Gartenhäuschen. Sind diese Pflanzen im Garten eingepflanzt, so empfiehlt es sich, den Topf mit einer Luftpolsterfolie und die Pflanze mit einem sogenannten Pflanzenfließ einzuwickeln. Bei Palmen sollte man ein günstiges Mikroklima schaffen, es muss also warm genug sein. Helfen kann da ein Lichtschlauch, wie man ihn jetzt zur Weihnachtszeit am Fenster anbringt. Den wickele ich bei Minusgraden einfach um die Palme, schon schützt die Wärme die Pflanze vor dem Erfrieren. Das sollte aber der gute, alte Lichtschlauch sein und keiner mit LEDs. Die erwärmen sich nämlich nicht.“
Andere wertvolle Pflanzen sollten durch ein schattiges Plätzchen geschützt werden. Kritisch ist es nämlich immer, wenn es zwar kalt ist, aber kein Schnee liegt. Dann kann ein schöner Sonnentag die Pflanze zum Verdursten bringen. Die Sonne scheint, das Blatt taut auf und verdunstet Wasser. Die Wurzel im Boden ist aber noch immer gefroren – von ihr gibt es kein Wasser. Fatal für die Pflanze.
Blumenzwiebeln:
Alle Geophyten sollten jetzt in den Boden: also Tulpen, Narzissen, Krokusse und Kaiserkronen. „Das ist dann immer ein schöner Frühlingsgruß, der schon jetzt vorbereitet werden muss. Ich kann die Zwiebeln auch in einen Topf packen und diesen vergraben. Im Januar wird er dann wieder ausgegraben und ins Haus geholt. Innerhalb von zwei Wochen kommen die ersten Triebe.“ Da einige dieser Zwiebeln sehr von Wühlmäusen geliebt und gefressen werden, ist es günstig, diese in Drahtgitterkörbe zu pflanzen. Darin können sich die Zwiebeln gut entfalten, die Mäuse aber gehen leer aus.
Herbstbepflanzung:
Herbstblüher gibt es in Hülle und Fülle. Es gibt sogar sehr viele mehrjährige Staudenpflanzen, die wenig Arbeit machen und zum Herbst hin dann in den schönsten Farben blühen. Herbst-Astern und Anemonen sind dabei wegen ihrer Farbenvielfalt besonders beliebt.
Die Herbst-Ernte:
Halloween ist vorbei, doch noch immer können Kürbisse geerntet werden. Nach den ersten Frösten schmeckt auch der Grünkohl richtig gut. Lange geerntet werden können auch die Wintersalate wie Spinat und Feldsalat und diverse Kohlsorten. Ein bisschen Lauch steht auch noch. Ein Tipp von Jens Gorschlüter: der Sauerampfer. Den kann man gut im Winter schneiden und schon früh im neuen Jahr als Salat oder gar als Brotaufstrich genießen. „Aber ich sehe das ja jeden Tag: Der Gemüseanbau wird immer seltener, auch wenn die Gärten vieler Bewohner groß genug sind. Dabei gibt es doch nichts Besseres, als sein eigenes Gemüse zu ernten und dabei zu wissen, dass es nicht mit irgendwelchen Giften behandelt wurde. Und für Kinder ist der Spaß besonders groß.“
Gartenteich:
Der Teich sollte mit einem Laubnetz gesichert werden. Denn Blätter bringen unnötige Nährstoffe ins Wasser. Und die verbrauchen in ihrem Abbauprozess Sauerstoff. Der aber ist wichtiger für die Fische. „Alle Wasserpflanzen sollten um mehr als die Hälfte gekürzt werden. Denn sonst hat man zu viel organische Masse im Teich. Das gilt besonders für die Wasserpest, denn die trägt ihren Namen nicht umsonst“, sagt Gorschlüter. Ganz wichtig: Die Gräser und Sumpfplanzen am Teich sollten nicht zurückgeschnitten werden. Wenn es richtig frostig wird, gelangt der Sauerstoff nämlich über diese Pfanzen in den Teich, weil keine komplette Eisschicht entsteht. So können Faulgase entweichen und der Sauerstoff kann eindringen. Auch die Pumpe sollte man laut Gorschlüter nicht vergessen. „Die Pumpen von Bachläufen sollten ausgebaut werden, wenn sie nicht frosthart stehen. Wichtig dabei: Sie sollten in einem Eimer voll Wasser aufbewahrt werden. Denn sonst könnte es im Frühjahr Schwierigkeiten geben, weil sich beispielsweise ein Schaufelrad festgesetzt hat. Dann brennt schnell mal der Motor durch.“
Gartengeräte:
Generell sollte man alle Gartengeräte noch einmal saubermachen und einölen. Die Gartenschere und auch alle anderen Werkzeuge, mit denen man Pflanzen schneidet, werden desinfiziert. Sonst kann sich beispielsweise ein Pilz von einem Gehölz über die Schere auf andere Gehölze übertragen. „Der Spaten sollte jetzt auch noch einmal scharf gemacht werden. Da gibt es mittlerweile auch Schleif-Aufsätze für die Bohrmaschine. Denn nichts ist frustrierender, als in der Gartensaison mit einem stumpfen Spaten zu arbeiten.“
Gartenmöbel:
Gartenmöbel aus Holz sollten nicht auf dem Boden stehen, weil sonst Wasser vom Boden aus eindringen kann. Damit das Wasser auch nicht von oben schädigt, sollten die Möbel durch eine Haube oder Plane geschützt werden. Dies gilt für Holz- und Geflechtmöbel, aber auch für Aluminiummöbel mit Textil-Bespannung. Denn die großen Sitzgruppen, die derzeit beliebt sind, passen ja nicht mal eben so in den Keller oder die Garage. Und da zahlt sich die Investition für eine Schutzhaube über die Jahre aus. Die sollte allerdings atmungsaktiv sein, weil die Möbel sonst durch das Schwitzwasser feucht werden. Das Ergebnis: Im Frühjahr hat man weniger Arbeit mit dem Saubermachen.
Und jetzt?
Ab Mitte Dezember ist die Gartensaison endgültig zu Ende, bevor es Ende Januar dann so langsam wieder los geht. Eine Zeit, auf die sich auch Jens Gorschlüter freut. „In dieser Phase kann ich Pläne schmieden: Was will ich umgestalten? Was soll gepflanzt werden? Aber dann kann der Garten ruhen. Jetzt sollen die Leute die Weihnachtszeit genießen und Kräfte tanken, um dann mit neuem Elan in das Frühjahr zu starten.“
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