Ulrich Bauer hat in seinem Leben schon viele Fenster geknackt. Die nahe liegende Vermutung, dass es sich bei ihm um einen Einbrecher handelt, ist aber falsch. Im Gegenteil: Bauer ist Präventionsfachberater beim Polizeipräsidium Recklinghausen. Mit seinen Einbruchsdemonstrationen an einem Musterfenster will er Mietern und Immobilienbesitzern zeigen, wie leicht in die meisten Wohnungen und Häuser eingedrungen werden kann: „Dabei ist es ganz einfach, mit ein paar Verhaltensregeln für mehr Sicherheit zu sorgen."
Diese Regeln erklärt Bauer regelmäßig bei einer Sicherheitsberatung, die kostenlos vom Polizeipräsidium Recklinghausen angeboten wird. Die Nachfrage ist groß. Häufig wird die Beratung allerdings von Menschen in Anspruch genommen, die schon Opfer eines Einbruchs geworden sind. „Vorher herrscht oft die Einstellung: ,Bei mir passiert schon nichts’. Wenn dann allerdings etwas passiert, ist der Schock für die Betroffenen meist groß - das wollen wir verhindern", sagt Bauer.
Abschließen ist das A und O
[caption id="attachment_295" align="alignright" width="300" caption="Klein aber effizient: Ulrich Bauer zeigt Pilzkopf-Fensterbeschläge, die ein Fenster enorm sicher machen."]

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Sein grundlegender Ratschlag erscheint so einfach wie banal, entfaltet bei strikter Beachtung aber große Wirkung: Beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung Fenster schließen und die Türen verriegeln! Damit wird den Einbrechern eine Hürde in den Weg gestellt, die oftmals schon ausreicht, um sie von ihrer Tat abzuhalten.
Ein weiterer Schritt zum sicheren Zuhause ist das Organisieren einer Nachbarschaftshilfe. Wenn Einbrecher merken, dass in einer bestimmten Gegend aufeinander geachtet wird, wirkt das abschreckend, so dass ein Einbruch gar nicht erst zustande kommt. Bauer empfielt beispielsweise, sich bei einer Urlaubsfahrt mit den Nachbarn über die Leerung des Briefkastens abzustimmen. So erkennen Einbrecher gar nicht erst, dass ein Haus oder eine Wohnung für längere Zeit unbewohnt ist. Außerdem sollten unbekannte Personen, die sich in der Nachbarschaft auffällig verhalten (scheinbar unmotiviertes Herumstreunen, „Testklingeln") direkt ansgesprochen werden. Sollte es sich um Einbrecher handeln, die nach einem sich lohnenden Objekt ausschau halten, reicht ein „kann ich ihnen helfen" oft schon aus, um sie zu verschrecken.
„Man sollte sich mit den Nachbarn immer abstimmen", sagt Bauer und schildert einen Einbruch, der mit solch einer Abstimmung vielleicht nicht passiert wäre: Damals wurde tagsüber in ein Haus eingebrochen, während die Nachbarn auf der angrenzenden Terrasse saßen. Diese hörten zwar den Lärm der Diebe, dachten aber, es handle sich um die Nachbarn selbst - unwissend darüber, dass die Familie von nebenan schon seit mehreren Tagen im Urlaub war.
Diebe suchen den Schutz der Dunkelheit
So ein Einbruch am helligten Tag ist aber eher ungewöhnlich. Diebe suchen den Schutz der Dunkelheit, weshalb die meisten Einbrüche laut Statistik auch in den Wintermonaten stattfinden.
Befragt man die Kriminalstatistik weiter, offenbart sich, dass in 77 Prozent aller Einbruchsfälle ein Fenster aufgehebelt wird. Eingeschlagene Scheiben sind die Seltenheit (5 Prozent). Eben deshalb plädiert Ulrich Bauer nicht nur für ein umsichtiges Verhalten, sondern auch für bestimmte technische Sicherungen wie die Verwendung einbruchshemmender Fenster und Fenstertüren: „Eine mechanische Fenstersicherung ist das A und O."

Besonders der Einsatz von Pilzkopf-Fensterbeschlägen macht den Einbrechern das Leben schwer. Ein einfaches Aufhebeln, wie Bauer es an dem Musterfenster demonstriert, ist mit diesen Beschlägen nicht mehr möglich. Fenster, die nach 1990 gebaut wurden, können problemlos nachgerüstet werden. Die Kosten liegen bei etwa 250 Euro pro Fenster und sollten nicht nur im Erdgeschoss investiert werden, sondern auch bei Fenstern in den oberen Etagen, die beispielsweise über den Balkon oder das Garagendach zu erreichen sind.
Insgesamt 2083 Einbrüche gab es im Jahr 2008 im Kreis Recklinghausen und Bottrop. Die Zahl der gescheiterten Einbruchsversuche liegt bei etwa 830. Ulrich Bauer: „Durch unsere persönliche Beratung wollen wir erreichen, dass die erste Zahl sinkt und die zweite steigt. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, diese Beratung auch zu nutzen."
Sicherheitsberatung des Polizeipräsidiums Recklinghausen:
Polizeipräsidium Recklinghausen
Kriminalkommissariat 34
Heilige-Geist-Straße 14
45657 Recklinghausen
Tel.: (02361) 55 - 3344
Fax: (02361) 55 - 3349
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